HocIns_No_5_Felice-Fauxpas-auf-den-Philippinen

Diesen Oktober war ich ein paar Tage ­geschäftlich in der philippinischen Hauptstadt Manila unterwegs – und war von der kulinarischen Vielfalt überrascht.

Das vermeintliche Frühstücksei

Die kulinarische Entdeckungsreise beginnt gleich am ersten Abend. Mein philippinischer Geschäftspartner holt mich freundlicherweise am Flughafen ab. Ob ich Hunger habe? Als Fan der asiatischen Küche und Philippinen-Neuling kann ich meine Vorfreude kaum verbergen. Während der Fahrt wird mir erklärt, dass sich hier Orient und Okzident auf dem Speiseteller bestens verstehen. Es kommen nicht nur regionale Spezialitäten verschiedener Bevölkerungsgruppen zusammen, es ist auch einiges aus der Kolonialzeit geblieben. Die Spanier brachten Tapas ins Land und später die Amerikaner ihre Burger und Hotdogs. Mich interessieren natürlich die philippinischen Spezialitäten. Mein Tischnachbar empfiehlt Kinilaw. Der rohe, in Essig marinierte Fisch mit Ingwer, Knoblauch und Chili gilt als Delikatesse. Dazu gibt es mit Knoblauch gewürzten Reis. Ich probiere beides – sehr bekömmlich und für asiatische Verhältnisse überraschend mild. Dies sei eben ein Resultat der Kolonialzeit. Bevor wir uns für den Abend verabschieden, gibt mir mein Begleiter noch ein paar Tipps: Die Philippinen haben eine ausgeprägte Streetfood-Kultur. An den Turo-Turo genannten Strassenverkaufsständen stellt man sich seine Menüs auf Fingerzeig zusammen (das Wort Turo bedeutet zeigen). Und natürlich soll ich unbedingt philippinische Mangos probieren – die seien die leckersten der Welt!

Am nächsten Morgen lasse ich also das kontinentale Hotelfrühstück links liegen, um ein Turo-Turo auszuprobieren. Nachdem ich meine Schüchternheit überwunden habe – einfach so in Kochtöpfe zu schauen und mit dem Finger zu zeigen, ist doch etwas ungewohnt –,  strömt mir der Geruch von Knoblauchreis entgegen. Es gibt auch Fisch, Würste, Fleischspiesse und Teigrollen. Nicht unbedingt ein typisches Frühstück für mich. Ich nehme die Teigrollen, die Würstchen und entdecke noch einen Topf mit Eiern. Als Durstlöscher bestelle ich mit einem Fingerzeig den Saft der grünen Kokosnuss. Lecker! Dass es mir dennoch flau im Magen wird, liegt nicht an den mich an spanische Chorizos erinnernden Würstchen – es ist das vermeintliche Frühstücksei...

Zum morgendlichen Meeting erscheine ich mit schweissbeperlter Stirn und etwas bleich um die Nase. Mein philippinischer Geschäftspartner begrüsst mich sogleich etwas besorgt. Geht es mir nicht gut? Doch, versichere ich, muss aber dennoch von meinem Streetfood-Erlebnis berichten: Als ich das vermeintliche Frühstücksei aufschlug, traute ich meinen Augen nicht. Es kam ein fast fertig ausgebrüteter Entenembryo zum Vorschein! Wurde mir ein schlechtes Ei verkauft? Mein Geschäftspartner klärt mich schmunzelnd auf: Balut sei ein traditioneller philippinischer Snack. Dabei handelt es sich um fast fertig ausgebrütete Enteneier, die 20 bis 30 Minuten gekocht werden. Erst schlürft man die Flüssigkeit aus dem Ei, dann verspeist man den festen Teil. Aber ich kann beruhigt sein: Auf den Philippinen gilt man nicht als unhöflich, wenn der Teller nicht leergegessen wird!   

Euer Felice

Hinterlassen Sie einen Kommentar