hg_arch_HOCHDORF_ohneBerg_header-917219-edited

Marbacher Ölmühle

Denis Haas
Von Denis Haas - 17. Mai 2018

HocIns_No_3_CI_Oelproduktion-mit-Tradition

Bei der Ölproduktion herrschen eigene ­Regeln. Die Wege vom Acker in die ­Flasche sind teilweise lang und verschlungen. Nicht so bei der Marbacher Ölmühle.


ÖLPRODUKTION MIT TRADITION – VOM ANBAUPROJEKT BIS ZUM ÖL

Schon seit 1899 stellt die traditionsreiche Mühle am Neckar Pflanzenöl her. Dabei setzt sie auf eine kurze, gradlinige Wertschöpfungskette. Vom Anbau der Saaten bis zum fertigen Pflanzenöl halten die Marbacher die Fäden fest in ihrer Hand.

Au­gust. Es herrscht em­si­ges Trei­ben in den Pro­duk­ti­ons­räu­men der Mar­ba­cher Öl­müh­le, wel­che seit An­fang die­ses Jah­res zur HOCH­DORF-Grup­pe ge­hört. Der Hit­ze­som­mer 2015 geht zur Neige, der Herbst steht vor der Tür. Und mit dem Herbst be­ginnt die Ern­te­zeit vie­ler Öl­saa­ten. Die Pres­sen lau­fen der­zeit auf Hoch­tou­ren. Auf min­des­tens zwan­zig Schne­cken­pres­sen wird ge­ra­de Se­sam­saat zu einem kalt ge­press­ten, na­ti­ven Bio-Spei­se­öl ver­ar­bei­tet.

«Der dies­jäh­ri­ge Re­kord­som­mer mit sei­nen vie­len Son­nen­stun­den war etwas zu heiss und zu tro­cken für ei­ni­ge wich­ti­ge Öl­pflan­zen. Beim Bio-Raps zeich­net sich bei­spiels­wei­se eine gros­se Ver­knap­pung ab, die Prei­se für die neuen Ern­ten schies­sen schon hoch», er­zählt Ul­rich Brit­ze, Ge­schäfts­füh­rer der Mar­ba­cher Öl­müh­le. «Un­se­re Kun­den kön­nen je­doch auf­at­men. Wir haben un­se­re Saa­ten vor­aus­schau­end ge­si­chert, zum Teil dank lang­fris­ti­gen An­bau­pro­jek­ten», kom­men­tiert Brit­ze die an­ge­spann­te Si­tua­ti­on.

Für un­se­re Kun­den, die An­bau­er und die Mar­ba­cher Öl­müh­le sind die An­bau­pro­jek­te eine Win-win-Si­tua­ti­on, so der um­trie­bi­ge Ge­schäfts­mann, und nicht selbst­ver­ständ­lich im Ge­schäft mit dem Öl. Sie ga­ran­tie­ren allen Be­tei­lig­ten eine ge­wis­se Pla­nungs­si­cher­heit und faire Prei­se, auch weil das Un­ter­neh­men viele Teile der Wert­schöp­fungs­ket­te sel­ber ab­deckt. Spe­ku­lan­ten kön­nen so aus­ge­schlos­sen wer­den.

Kurze Pro­duk­ti­ons­we­ge

Bei der Mar­ba­cher Öl­müh­le sind die Wege hin­ge­gen kurz und grad­li­nig. Diese Ar­beits­wei­se ist his­to­risch ge­wach­sen und hat sich über Ge­ne­ra­tio­nen be­währt. Denn seit 1899 pro­du­ziert man in der tra­di­ti­ons­rei­chen Mühle am Ne­ckar Pflan­zen­öle und be­sitzt in­zwi­schen eine über 100-jäh­ri­ge Er­fah­rung, die von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wor­den ist. Diese Er­fah­rung geht weit über die Kunst des Pres­sens hin­aus und be­inhal­tet selbst die vor- und nach­ge­la­ger­ten Ar­beits­schrit­te. Man kennt und be­sucht die An­bau­be­trie­be re­gel­mäs­sig und wählt seine An­bau­pro­jek­te ge­zielt nach qua­li­ta­ti­ven Ge­sichts­punk­ten aus. Ge­ra­de beim Kern­ge­schäft der Mar­ba­cher Öl­müh­le, der Pro­duk­ti­on von Bio-Spei­se­ölen, ist dies sehr wich­tig. Hält sich ein An­bau­er bei­spiels­wei­se nicht an die stren­gen Auf­la­gen der Bio-La­bels, wird eine ganze Saat für ihre Be­stim­mung wert­los und muss zu kon­ven­tio­nel­lem Öl ver­ar­bei­tet wer­den. Diese Menge fehlt dann für die Her­stel­lung von bio­lo­gi­schen Ölen und Pro­duk­ten wie etwa Bio-Chips oder Na­tur­kos­me­tik.

So ge­sche­hen beim Bio-Raps. Ei­ni­ge Pro­du­zen­ten hiel­ten sich die­ses Jahr nicht an die Re­geln. Sie ver­wen­de­ten un­zu­läs­si­ge Dün­ge­mit­tel oder etwa um­strit­te­ne Her­bi­zi­de wie Gly­pho­sat. Ihnen wurde der Bio-Sta­tus ab­erkannt, der Markt be­fin­det sich nun in einer an­ge­spann­ten Si­tua­ti­on, nicht nur wegen des zu tro­cke­nen Wet­ters.

«Wir bei der Mach­ba­cher Öl­müh­le be­glei­ten un­se­re An­bau­er von der Aus­saat bis zum Schnitt, um das Ri­si­ko einer Feh­lern­te zu mi­ni­mie­ren», er­klärt Brit­ze stolz. «Wir wis­sen, was in un­se­ren Saa­ten steckt.»

Wäh­rend im Bü­ro­trakt emsig mit Pro­du­zen­ten und Kun­den ver­han­delt wird, trifft in der La­ger­hal­le ge­ra­de eine neue Öl­saat ein. Als nächs­tes steht das für die Haut be­lieb­te Apri­ko­sen­kern­öl auf dem Pro­duk­ti­ons­plan. «Wäh­rend Son­nen­blu­men­öl ty­pi­scher­wei­se in der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie ein­ge­setzt wird, ist Apri­ko­sen­kern­öl eine wich­ti­ge In­gre­di­enz in Kos­me­tik­pro­duk­ten», er­zählt Brit­ze.

Press­sys­te­me für Gross- und Klein­men­gen

Die Mar­ba­cher Öl­müh­le be­sitzt ver­schie­de­ne Press­sys­te­me. Der quir­li­ge Ge­schäfts­füh­rer zeigt auf die gros­se Krupp-Schne­cken­pres­se: «Sie ist so­zu­sa­gen unser Ar­beits­pferd, auf ihr pro­du­zie­ren wir gros­se Men­gen von Son­nen­blu­men­öl». Um diese schwe­re Pres­se be­die­nen zu kön­nen, braucht es viel Fach­wis­sen. Denn die Kraft­über­tra­gung auf den Zy­lin­der muss wohl­do­siert von­stat­ten gehen und auf die Öl­saat ab­ge­stimmt sein. Sonst er­wärmt sich die Saat zu stark, und die wert­vol­len In­halts­stof­fe gehen ver­lo­ren. Je nach Kun­den­wunsch und Ein­satz wer­den die auf der gros­sen Krupp pro­du­zier­ten Öle von Mar­ba­cher zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung ge­schickt und bei­spiels­wei­se raf­fi­niert, win­te­ri­siert, ge­bleicht oder de­so­do­ri­ert.

«Öl ist nicht gleich Öl. In Mar­bach stellt man aus­schliess­lich ge­sun­de, kalt ge­press­te Pflan­zen­öle her.»

Neben der gros­sen Krupp be­sitzt das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men noch wei­te­re Press­sys­te­me. In der weit­läu­fi­gen Pro­duk­ti­ons­hal­le ste­hen rund zwan­zig klei­ne­re Schne­cken­pres­sen für die echte Kalt­pres­sung be­reit. Sie sind so­zu­sa­gen die ele­gan­ten Renn­pfer­de im Stall. Auf ihnen wer­den hoch­wer­ti­ge Öle ge­fer­tigt wie das vom «In­ter­na­tio­nal Taste Award» mit zwei Ster­nen aus­ge­zeich­ne­te Se­sam­öl. In einem etwas ab­ge­trenn­ten Raum be­fin­den sich zwei spe­zi­el­le Schne­cken­pres­sen. Spe­zi­ell, weil sie mit va­ria­blen Sei­hern bzw. Sie­ben aus­ge­rüs­tet sind. Diese bei­den Pres­sen eig­nen sich für Neu­ent­wick­lun­gen oder spe­zi­fi­sche Kun­den­wün­sche. Ein Mit­ar­bei­ter wech­selt ge­ra­de die Öl­fil­ter­schich­ten. Die nächs­te Klein­pro­duk­ti­on steht an. Jüngst sind auf die­sen Spe­zi­al­pres­sen bei­spiels­wei­se Erd­nuss­öle ver­schie­de­ner Röst­gra­de und Chia-Öle un­ter­schied­li­cher Qua­li­tä­ten her­ge­stellt wor­den.

Ge­halt­vol­le Öle für di­ver­se An­wen­dungs­be­rei­che

Öl ist nicht gleich Öl. In Mar­bach stellt man aus­schliess­lich ge­sun­de, kalt ge­press­te Pflan­zen­öle her. Diese ge­halt­vol­len Öle be­rei­chern nicht nur die kalte und warme Küche, son­dern leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag zu un­se­rer Ge­sund­heit. Sie wer­den daher viel­sei­tig ver­wen­det, sei es in Nah­rungs­mit­teln, in Kos­me­ti­ka oder in der Phar­ma­zie. «Wir stel­len oft Spe­zi­al­pro­duk­tio­nen her, die sehr ge­zielt ein­ge­setzt wer­den, bei­spiels­wei­se in der Tech­nik», er­zählt der sym­pa­thi­sche Pflan­zen­öl­pro­du­zent und fügt an, dass kein Öl dem an­de­ren glei­che. «Daher neh­men wir uns viel Zeit für die Kun­den­be­ra­tung. Denn jedes Pflan­zen­öl be­sitzt in Bezug auf den An­wen­dungs­be­reich ganz ei­ge­ne Cha­rak­te­ris­ti­ken.»

Es herrscht immer noch em­si­ges Trei­ben in den Pro­duk­ti­ons­hal­len der Mar­ba­cher Öl­müh­le. Schon wie­der trifft eine neue Saat­lie­fe­rung ein. Was wird wohl als nächs­tes ge­presst? Es wird Lein­öl sein.

Inside-Anbauprojekte-Marbacher-Oelmuehle
Bei der Auswahl der Saaten legt die Marbacher Ölmühle grossen Wert auf eine enge Zusammenarbeit
mit den Produzenten und begleitet sie von der Aussaat bis zur Ernte.

 Weitere Informationen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Letzte Artikel

Beliebte Artikel