HocIns_No_1_Artikel_DI_So-funktioniert-der-Schweizer-Milchpulvermarkt

Der Schweizer Milchmarkt ist im Wandel. Es entstanden neue Organisationen, Richtlinien und Reglemente mit Einfluss auch auf den Markt für Milchpulver. Dieser Artikel versucht, die aktuelle Marktbegebenheiten zu erklären.

Kuh Klara schert sich nicht um Markt­ge­ge­ben­hei­ten. Sie lie­fert zu­ver­lä­ssig ihre tä­gl­iche Milch – ein­mal etwas mehr, ein an­der­mal etwas we­ni­ger; ein­mal mit etwas mehr Fett­an­teil, ein an­der­mal mit etwas we­ni­ger. Sie gibt weder A-­, B­- noch C­-Milch, son­dern ein­fach Milch. So egal Klara die ver­schie­de­nen Milch­seg­men­te sind, so wich­tig sind sie für uns als Her­stel­ler ver­schie­de­ner Milch­pul­ver. Sie beein­flussen un­se­re Pro­duk­ti­on wie auch un­se­re Stra­tegie – und fü­hren zwi­schen­durch auch ein­mal zu roten Kö­pfen in der Milch­bran­che. Letz­te­res ganz im Ge­gen­satz zur Kuh Klara: Sie (wieder­)-käut sto­isch die fei­nen Krä­uter und pro­du­ziert beste Schwei­zer Milch.

Wich­ti­ger Play­er im Milch­pul­ver­markt

Klara in­ter­es­siert sich auch nicht da­für, was aus ihrem wert­vol­len Roh­stoff her­ge­stellt wird und wo­für diese Pro­duk­te wei­ter ein­ge­setzt wer­den. Wir von der HOCHDORF­Gruppe ver­ar­bei­ten beispiels­weise rund 10 Pro­zent der Schwei­zer Milch­men­ge zu ver­schie­de­nen Milchpulver­ Pro­duk­ten und Rahm. Damit ge­ho­̈ren wir mit Emmi und Cremo zu den drei wich­tigs­ten Teil­neh­me­rin­nen im Schwei­zer Markt für Milch­pul­ver. Wir kon­zen­trie­ren uns aber als ein­zi­ges die­ser Un­ter­neh­men auf den Milch-pul­ver­markt als sol­chen. Die Her­stel­lung ver­schie­de­ner milchba­sierter Pul­ver ist eine un­se­rer Kern­kom­pe­ten­zen.

Hin zu einem Ex­per­ten für Spe­zi­al­pul­ver

Fan­gen wir aber noch­mals von vorne an. In der Schweiz pro­du­zie­ren rund 550 000 Kühe in etwa 3,4 Mrd. Ki­lo­gramm Milch pro Jahr. Die­ser wert­volle Roh­stoff wird unter an­de­rem zu Milch­pul­vern, Frisch­milch­pro­duk­ten, Käse und But­ter ver­ar­bei­tet. Die HOCH­DORF-Grup­pe be­zieht Milch von ihren Di­rekt­lie­fe­ran­ten und von ver­schie­de­nen Milchpro­duzentenorganisationen. Diese fliesst aber nicht re­gel­mä­ssig. Ab etwa Mitte März bis etwa Mitte Mai herrscht in den Ver­ar­bei­tungs­be­trie­ben Hoch­be­trieb. Die Kühe geben nicht zu­letzt wegen des fri­schen, ge­halt­vol­len Gra­ses mehr Milch. Zudem sind noch alle Tiere im Tal, weil die Alpen unter einer Schnee­decke ruhen. Diese Zeit ist auch für HOCH­DORF all­jäh­rlich eine Her­aus­for­de­rung. Mensch und Ma­schi­ne lau­fen auf Voll­last. Es ist aber nicht mehr so wie fru­̈her. Die HOCHDORF-­Gruppe ver­ä­nde­rt sich zu einem Milch­ver­ar­bei­ter, der seine An­la­gen ganz­jährig mit wert­schö­pfung­ssta­rken Pro­duk­ten aus­ las­tet. Des­halb for­cie­ren wir seit 2006 den Be­reich Ba­by­nah­rung und stei­gen nun in die Her­stel­lung von Lak­to­se und Mol­ke­pro­te­inen ein. Wir trock­nen damit auch ver­mehrt Spe­zia­li­ta­̈ten, die keine oder wenig Frisch­milch ent­hal­ten. Aber die HOCHDORF-­Gruppe wird auch zu­kün­ftig ihren An­teil an der zeit­ge­rech­ten Ver­ar­bei­tung der Frü­hlin­gmilc­hme­nge bei­tra­gen.

A-, B- und C-Milch

Die Auf­tei­lung der Milch in die drei Seg­men­te A-, B- und C-Milch hat nichts mit der Qua­li­tät zu tun, son­dern mit den Ver­mark­tungs­mög­lich­kei­ten. In der milch­rei­chen Zeit kann nicht die ge­sam­te Menge in der Schweiz ver­kauft wer­den. Damit diese Milch auf dem in­ter­na­tio­na­len Markt ab­ge­setzt wer­den kann, muss sie zu kon­kur­renz­fä­hi­gen Prei­sen ein­ge­kauft wer­den kön­nen. Wenn das Milch­fett in der Schweiz ver­mark­tet wird, er­hält der Milch­pro­du­zent den B-Milch­preis. Falls die ge­sam­te Milch ex­por­tiert wird – zum Bei­spiel als Voll­milch­pul­ver – gilt der C-Milch­preis. Nach dem Ende der Kon­tin­gen­tie­rung bil­de­te sich in der Bran­che die Bran­chen­or­ga­ni­sa­ti­on Milch (BOM). Sie de­fi­nier­te die Milch­seg­men­tie­rung. In die­sem Gre­mi­um sit­zen Milch­pro­du­zen­ten-or­ga­ni­sa­tio­nen, Milch­ver­ar­bei­ter und De­tail­händ­ler am Tisch. Sie haben sich unter an­de­rem auf ein Preis­be­rech­nungs­mo­dell ge­ei­nigt, wel­ches einen un­ver­bind­li­chen Richt­preis für die A-, B- und C-Milch fest­legt. Die Milch­ver­ar­bei­ter hal­ten sich ü­bl­iche­rwe­ise an diese Prei­se, weil sie an­sons­ten wegen der ge­gen­sei­ti­gen Kon­kur­renz keine oder zu wenig Milch er­hal­ten wü­rden.

Die HOCH­DORF-Grup­pe ver­än­dert sich hin zu einem Milch­ver­ar­bei­ter von wert­schöp­fungs­star­ken Pro­duk­ten.

Wich­ti­ges Milch­pul­ver

Das von HOCH­DORF her­ge­stell­te Milch­pul­ver wird zu­meist für die wei­ter­ver­ar­bei­ten­de Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie pro­du­ziert. Am häu­figs­ten fin­det unser Milch­pul­ver den Weg in Schwei­zer Scho­ko­la­de. Die Scho­ko­la­den­in­dus­trie ist ein wich­ti­ger Ab­satz­ka­nal für die Schwei­zer Milch. Das von ihr ver­wen­de­te Wal­zen­voll­milch­pul­ver ist mit ein Grund für die feine Schwei­zer Milch­scho­ko­la­de. 2012 wur­den bei­spiels­wei­se 17 243 Ton­nen Schwei­zer Voll­milch­pul­ver in Scho­ko­la­de ver­ar­bei­tet. Das er­gibt in etwa die statt­li­che Milch­men­ge von 140 000 Ton­nen Voll­milch. Um diese zu pro­du­zie­ren, sind rund 20 000 «Kla­ras» not­wen­dig. Bei einem durch­schnitt­li­chen Be­stand von rund 24 Milch­ku­̈hen pro Land­wirt be­zahlt die Scho­ko­la­den­in­dus­trie an etwa 850 durch­schnitt­li­che Milch­pro­du­zen­ten­be­trie­be das Milch­geld. Für diese Menge wird der ver­trag­lich ver­ein­bar­te A-Milch­preis be­zahlt. Die Scho­ko­la­den­in­dus­trie kann für den Ex­port ihrer Scho­ko­la­de Aus­fuhr­bei­trags­un­ter­stü­tzung, so­ge­nann­te Schog­gi­ge­setz-Mit­tel beim Bund be­an­tra­gen. Diese Mit­tel glei­chen den Preis­un­ter­schied bei Milch­pul­ver (bzw. bei Milch) zwi­schen dem In- und dem Aus­land aus. Sie wer­den aber nicht nur für ex­por­tier­te Scho­ko­la­de be­zahlt. Zahl­rei­che Nah­rungs­mit­tel mit Schwei­zer Milch und/oder Ge­trei­de er­hal­ten auf diese Weise eine Roh­stoff­ver­gün­st­igung.

Markt­preis­stüt­zung durch Milch­pro­du­zen­ten

In die­sem Frü­hjahr grü­nd­eten die gröss­ten Milch­ver­mark­tungs- und Pro­du­zen­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie die SMP (Schwei­ze­ri­sche Milch­pro­du­zen­ten­or­ga­ni­sa­ti­on) die Lac­to­fa­ma AG. Die­ses Un­ter­neh­men be­fasst sich ein­zig mit dem sai­so­na­len Ex­port von Milch­fett, das den In­land­be­darf übe­rstei­gt, und stüt­zt die ent­spre­chen­de Milch­men­ge. In die­sem Frü­hjahr hat HOCH­DORF bei­spiels­wei­se dank der Preis­stü­tzung der Lac­to­fa­ma AG er­folg­reich Voll­milch­pul­ver ex­por­tiert.

Kon­trol­le durch TSM

Eine wei­te­re wich­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on in der Milch­bran­che ist die Treu­hand­stel­le Milch (TSM). Sie kon­trol­liert bei­spiels­wei­se im Auf­trag der BOM die Ein­hal­tung der Milch-Seg­men­tie­rung bei den Ver­ar­bei­tungs­be­trie­ben. In die­sem Zu­sam­men­hang wird auch die HOCH­DORF-Grup­pe von der TSM kon­trol­liert.

Wert­schöp­fungs­star­ke Pro­duk­te auch im Ex­port

Über die ge­sam­te Jah­res­pro­duk­ti­on ge­se­hen sind die Frü­hjahr­sm­on­ate milch­rei­cher als an­de­re Mo­na­te; die davon be­trof­fe­ne Milch­men­ge ist aber ins­ge­samt re­la­tiv klein. Und doch muss auch diese Milch zu sinn­vol­len und wert­schöp­fungs­star­ken Pro­duk­ten ver­ar­bei­tet wer­den. Die HOCH­DORF-Grup­pe leis­tet mit der Ver­ar­bei­tung und dem Ex­port die­ser Milch einen wich­ti­gen An­teil, dass die ge­sam­te Milch ver­ar­bei­tet wer­den kann. Dank der sai­so­nal höher an­fal­len­den Milch­men­ge kön­nen sich auch Tu­̈ren für den in­ter­na­tio­na­len Milch­markt öff­nen. Bei­spiels­wei­se pro­du­zie­ren wir für das hol­län­di­sche Un­ter­neh­men Hoog­wegt das Pro­dukt «Pico», ein so­ge­nann­tes «fat­fil­led pow­der», bei dem das teure Milch­fett durch preis­wer­te­res Pflan­zen­fett er­setzt wird. Die­ses Pro­dukt wird in vie­len Län­dern West­afri­kas und im ara­bi­schen Raum ver­kauft – bei­spiels­wei­se an das lo­ka­le Bä­cke­rei­ge­wer­be.

Alles ein­fach - oder nicht?

So weit, so gut. Auf dem Weg zum Milch­pul­ver­pro­dukt steht zu Be­ginn der Wert­schöp­fungs­ket­te die Kuh Klara bzw. der Milch­pro­du­zent. Die Pro­du­zen­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen sam­meln die Milch ein und ver­kau­fen sie an die Milch­ver­ar­bei­ter. Wir trock­nen die Milch dann zu ver­schie­de­nen Milch­pul­ver­pro­duk­ten, die in der Schweiz ver­kauft und auch ex­por­tiert wer­den. Je nach Markt gel­ten ver­schie­de­ne Richt­prei­se (A, B oder C), wel­che die BOM vor­gibt.

Das tönt im Grund­satz re­la­tiv ein­fach und klar, in der kon­kre­ten Um­set­zung kann es aber manch­mal schon etwas kom­pli­ziert wer­den.

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Und Kuh Klara?

Sie geniesst jetzt noch ein paar Tage die saftigen Gräser auf der Alp, bevor sie wieder ins Tal zurückkehrt, und produziert, zuverlässig, wie sie ist: Milch – für dich, für mich, für alle.

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