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Funktionelle Magen-Darmstörungen

Geschrieben von Janny Vedder | 18.05.2018 12:16:16
Leichte Magen-Darmbeschwerden treten bei Babys in den ersten Lebensmonaten ­relativ häufig auf und sind meist kein Anlass zur Sorge. Das Kleine wächst und entwickelt sich trotz seiner Beschwerden dem Alter entsprechend.

Leidet das Kleine jedoch zu stark ­darunter, können die Symptome mit einer Anti-­Reflux-Babynahrung, die 
Johannisbrotkernmehl und Galacto-Oligosaccharide (GOS) enthält, gelindert werden. Anti-Reflux-Babynahrung ist ein klassifiziertes Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (LBMZ) und ist für Säuglinge mit speziellen Bedürfnissen sehr gut geeignet.

Milch­rück­fluss bzw. Re­gur­gi­ta­ti­on, Ver­stop­fun­gen und Ko­li­ken sind bei Babys die häu­figs­ten funktio­nellen Ma­gen-Darm­stö­run­gen. Die Sym­pto­me lösen bei El­tern oft Angst­ge­füh­le aus und füh­ren dazu, dass die Er­näh­rung des Babys un­nö­ti­ger­wei­se um­ge­stellt wird (1, 2, 3). Stu­di­en zei­gen, dass rund 55 Pro­zent der Kin­der unter sechs Mo­na­ten an Magen-Darm­beschwerden lei­den.

Re­gur­gi­ta­ti­on

Prak­tisch alle Säug­lin­ge geben nach dem Trin­ken klei­ne Milch­men­gen aus, un­ab­hän­gig davon, ob sie ge­stillt wer­den oder Ba­by­nah­rung er­hal­ten. So­lan­ge die Klei­nen zu­frie­den und ge­sund sind sowie an Ge­wicht zu­le­gen, ist Re­gur­gi­ta­ti­on – auch Milch­rück­fluss, Güt­s­cheln oder Spu­cken ge­nannt – kein An­lass zur Sorge. Täg­li­ches «Güt­s­cheln» ist bei zwei Mo­na­te alten Säug­lin­gen weit­verbreitet. Rund 87 Pro­zent (4) der Babys gel­ten als «glück­li­che Spu­cker». Glück­lich, weil es sich meist um ein un­be­deu­ten­des Pro­blem ohne Krank­heits­wert han­delt, das sich nor­ma­ler­wei­se mit der Rei­fung des kind­li­chen Ver­dau­ungs­sys­tems bes­sert.

Ver­ant­wort­lich für das Re­gur­gi­tie­ren ist der un­te­re Spei­se­röh­ren-Schliess­mus­kel oder in der Fach­sprache der un­te­re Öso­pha­guss­phink­ter (UÖS). Bei ­Säuglingen ist der UÖS noch nicht voll­stän­dig ent­wi­ckelt, was dazu führt, dass der Ma­gen­in­halt rück­wärts über die Spei­se­röh­re in den Mund zu­rück­fliesst. Im ers­ten Le­bens­jahr wird der Spei­se­röh­ren-Schliess­mus­kel all­mäh­lich stär­ker, die Wahr­schein­lich­keit einer Re­gur­gi­ta­ti­on lässt nach.

Eine Re­duk­ti­on der Re­gur­gi­ta­ti­on ver­bes­sert die Le­bens­qua­li­tät so­wohl der Babys wie auch der El­tern.

Der me­di­zi­ni­sche Fach­be­griff für Re­gur­gi­ta­ti­on bzw. Re­flux nennt sich gas­troeso­pha­gealer Re­flux (GER). Die Ur­sa­che eines GER liegt oft in der Er­näh­rungs­tech­nik. Zu gros­se Nah­rungs­men­gen oder über­mäs­si­ges Luft­schlu­cken durch ex­zes­si­ves Trin­ken kön­nen zu er­höh­tem Ma­gen­druck füh­ren. Das Baby lei­det unter Ma­gen­krämp­fen oder Nah­rungs­rück­fluss. GER kommt bei Säug­lin­gen häu­fig vor.

Be­son­ders oft tre­ten Re­gur­gi­ta­ti­ons­be­schwer­den zwi­schen dem drit­ten und vier­ten Le­bens­mo­nat auf. Rund 50 bis 70 Pro­zent der Säug­lin­ge lei­den dar­un­ter. Im Alter von 12 bis 14 Mo­na­ten (5, 6) klin­gen die Sym­pto­me bei ge­sun­den Klein­kin­dern in der Regel wie­der ab. Den El­tern er­schei­nen die Sym­pto­me einer Re­gur­gi­ta­ti­on meist schlim­mer als sie im me­di­zi­ni­schen Sinne wirk­lich sind. Rund ein Vier­tel aller El­tern wen­den sich des­halb an eine me­di­zi­ni­sche Fach­per­son (2, 5).

Re­gur­gi­ta­ti­on tritt bei Still­kin­dern ge­nau­so häu­fig auf wie bei Kin­dern, die Ba­by­nah­rung er­hal­ten und führt zu gros­ser Ver­un­si­che­rung. Umso wich­ti­ger, die El­tern mit prak­ti­schen Rat­schlä­gen zu un­ter­stüt­zen: etwa mit wel­cher Tech­nik und Fre­quenz sie ihrem Baby die Milchmahl­zei­ten ver­ab­rei­chen sol­len (re­gel­mäs­si­ges Trin­ken in klei­ne­ren Men­gen). Meh­re­re Stu­di­en be­le­gen, dass Babys, die AR-Milchen er­hal­ten, sel­te­ner an Re­gur­gi­ta­ti­on lei­den. Denn AR-Milchen ent­hal­ten Jo­han­nis­brot­kern­mehl, ein na­tür­li­cher Quell­stoff, der die Ba­by­nah­rung an­dickt. Die Milch wird sä­mi­ger und ver­bleibt bes­ser im Magen, was zu einer ver­min­der­ten Re­gur­gi­ta­ti­on führt. Zu­sam­men mit den in Ba­by­nah­run­gen vor­han­de­nen Prä­bio­ti­ka (GOS) schüt­zen und stär­ken AR-Milchen zudem das kind­li­che Ver­dau­ungs­sys­tem.

 

Har­ter Stuhl­gang mit und ohne Krämp­fe

Neben der Re­gur­gi­ta­ti­on lei­den Klein­kin­der öf­ters unter har­tem Stuhl­gang, leich­ten Ver­stop­fun­gen und Krämp­fen bzw. Ko­li­ken.

Ver­stop­fun­gen gel­ten als er­schwer­te De­fä­ka­ti­on und dau­ern in der Regel zwei Wo­chen, teil­wei­se auch län­ger. Rund 15 Pro­zent der unter Ein­jäh­ri­gen sind davon be­trof­fen. Bei Babys, die jün­ger als vier Mo­na­te sind, spielt ge­ra­de auch die Zu­sam­men­set­zung der Er­näh­rung eine we­sent­li­che Rolle, was das Aus­se­hen und die Kon­sis­tenz des Win­del­in­halts an­be­langt. Wei­te­re in­di­vi­du­el­le Fak­to­ren sind die Ak­ti­vi­tät des Babys und das Ver­dau­ungs­tem­po. Ver­stop­fun­gen tre­ten bei Still­kin­dern sel­te­ner auf als bei jenen, die Ba­by­nah­rung er­hal­ten (8).

Jede gros­se Ver­än­de­rung be­ein­flusst das Klein­kind, auch was die Häu­fig­keit und Kon­sis­tenz des Stuhls be­trifft. Ein kom­pak­ter oder har­ter Win­del­in­halt tritt oft dann auf, wenn das Klein­kind von der Mut­ter- zur Ba­by­milch oder fes­ten Nah­rung wech­selt. Es dau­ert seine Zeit, bis sich der kind­li­che Darm an die neue Nah­rung ge­wöhnt hat. Wei­te­re Grün­de kön­nen Fieber­erkrankungen oder eine re­du­zier­te Nah­rungs- und Flüs­sig­keits­auf­nah­me sein, was zu einem Un­gleich­ge­wicht des Was­ser­haus­hal­tes führt. Man muss die El­tern dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass ein har­ter Stuhl­gang bei Klein­kin­dern nichts Un­ge­wöhn­li­ches ist und nor­ma­ler­wei­se vor­über­geht. Bei Ba­by­nah­rung gilt es, diese rich­tig vor­zu­be­rei­ten, d. h. im rich­ti­gen Pulver-­Wasser-Verhältnis an­zu­rüh­ren, damit die täg­liche Flüs­sig­keits­zu­fuhr den all­ge­mei­nen Empfeh­lungen ent­spricht.

Ein har­ter Stuhl­gang tritt öf­ters in Kom­bi­na­ti­on mit Ko­li­ken und Ma­gen­schmer­zen auf und ist meist durch ex­zes­si­ves Wei­nen ge­kenn­zeich­net. Bis El­tern ­jedoch mit ihrem wei­nen­den Baby den Arzt auf­su­chen, sind sie oft schon stark be­un­ru­higt, frus­triert und ­leiden unter Schlaf­man­gel. Das Wei­nen und un­ru­hi­ge Ver­halten des Babys kann stun­den­lang und ohne Unter­bruch an­dau­ern und sich mit ru­hi­gen Pha­sen ab­wech­seln. Ten­den­zi­ell neh­men die Wein­krämp­fe im Alter von sechs Wo­chen eher zu und tre­ten meist am Nach­mit­tag auf. Die Ur­sa­chen von Ko­li­ken sind weit­ge­hend un­be­kannt. Es gibt je­doch In­di­zi­en, dass es sich hier­bei um eine Nah­rungs­all­er­gie, eine Magen­Darmstörung, eine un­aus­ge­wo­ge­ne Darm­flo­ra, einen gas­troeso­pha­ge­alen Re­flux oder eine Kuhmilch­allergie han­deln kann (9). Welt­weit lei­den rund 20 Pro­zent der Säug­lin­ge unter Ko­li­ken, un­ab­hän­gig davon ob es Still- oder mit For­mu­la er­nähr­te Kin­der sind (2. 8). Meist löst sich das Pro­blem im Alter von circa vier Mo­na­ten von al­lei­ne.

Jo­han­nis­brot­kern­mehl – si­cher und wir­kungs­voll

Zu­sätz­lich zu ihren bin­den­den Ei­gen­schaf­ten be­sit­zen Jo­han­nis­brot­kern­mehl­hal­ti­ge AR-Milchen auch eine prä­bio­ti­sche Wir­kung. Sie ver­min­dern har­ten Stuhl­gang und hel­fen gegen Ko­li­ken. Eben­falls ge­hö­ren die in Ba­by­nah­rung vor­han­de­nen Ga­lac­to-Oli­go­sac­cha­ri­de zu den fer­men­tier­ba­ren Bal­last­stof­fen, die das Wachs­tum «guter» Bak­te­ri­en (Bi­fi­do­bak­te­ri­en und Lak­to­ba­zil­len) im Darm an­re­gen. Beide füh­ren zu mehr und wei­che­ren Stuhl­gän­gen und regen die Darm­tä­tig­keit an. Alles Grün­de, wes­halb AR-Ba­by­nah­rung die idea­le Lö­sung sein kann, wenn Babys unter har­tem Stuhl und den damit ver­bun­de­nen Krämp­fen lei­den.

Weitere Informationen


Quellen
1) Iacono G., et al. The Pediatric Study Group on Gastrointestinal Symptoms in Infancy. Gastrointestinal symptoms in infancy: a population-based prospective study. Dig Liver Dis 2005;37:432-438.
2) Vandenplas Y., et al. Prevalence and health outcomes of functional gastrointestinal symptoms in infants from birth to 12 months of age. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2015;61:5:531-37.
3) Zeevenhooven J., et al. The New Rome IV Criteria for Functional Gastrointestinal Disorders in Infants and Toddlers. Pediatr Gastroenterol Hepatol Nutr 2017;20(1):1-13.
4) Vandenplas Y., et al. Practical algorithms for managing common gastrointestinal symptoms in infants. Nutrition 2013;29(1):184-194.
5) Dupont C., et al. Efficacy and tolerance of a new anti-regurgitation formula. Pediatr Gastroenterol Hepatol Nutr 2016;19(2):104-109.
6) Vandenplas Y., et al. Pediatric Gastroesophageal Reflux Clinical Practice Guidelines: Joint Recommendations of the North American Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (NASPGHAN) and the European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN). J Pediatr Gastroenterol Nutr 2009;49(4):498-547.
7) Nelson S.P., et al. Prevalence of symptoms of gastro-esophageal reflux during infancy. A pediatric practice-based survey. Pediatric Practice Research Group. Arch Pediatr Adolesc Med; 1997;151: 569-572.
8) Vandenplas Y., et al. Updated algorithms for managing frequent gastro-intestinal symptoms in infants. Beneficial Microbes 2015;6(2):199-208.
(9) Miranda, A. Early life stress and pain: an important link to functional bowel disorders. Pediatric Annals 2009;38:279-282.